Die Langballigauer Fischereigenossenschaft


 

Die Langballigauer Fischereigenossenschaft ist eine Interessengemeinschaft der Anlieger der Langballigau.

Dies sind zu 73% Landbesitzer aus Langballig, Unewatt und Westerholz.

Unter den 52 Gründern im Jahre 1877 befanden sich aber auch 14 Langballigholzer.

 

Die Entstehung und Entwicklung der Langballigauer Fischereigenossenschaft


Der folgende Bericht stützt sich hauptsächlich auf die Darlegungen des langjährigen Vorsitzenden der Genossenschaft, Hans Lassen, Unewatthof, die er anläßlich des 25jährigen Jubiläums am 30. 6. 1902 in das Protokollbuch schrieb.

Die jährlichen Geschäftsberichte und Versammlungsprotokolle nicht zuletzt sollen auch herangezogen werden.


Hier Lassens Bericht:


1. Fischereiverhältnisse vor der Gründung


Unsere kaum 5 km lange Langballigau mit ihrem kühlen, auch in den trockensten Sommerperioden immer reichlich vorhandenen Quellwasser, mit ihrem an vielen Stellen flachen, kiesigen Aubett ist wohl ein beliebter Laichplatz für die Lachsforelle gewesen, solange diese Fischart die Nord- und Ostsee bewohnt hat.

Der Edelfisch, dessen zartes Fleisch an Güte und Schmackhaftigkeit von keiner anderen Fischart erreicht wird, hat gewiß schon frühzeitig die Aufmerksamkeit der Anwohner auf sich gelenkt. Im Unterlauf, wo das Gut Lundsgaarde die große Wiese Kornmerle besaß, erwarb sich dasselbe die Fischereiberechtigung auf die von dessen Landbesitz begrenzte Aufläche. Die Berechtigung ging nach Verkauf der Wiesenfläche auf Freienwillen und die an die Au grenzenden Parzellenbesitzer über. Im Oberlauf hatte das Gut Unewatt auf eine lange die Au begrenzende Landfläche die Fischereiberechtigung inne.

Schon bei einem Verkauf dieses Gutes im Jahre 1446 wird dieser Fischereiberechtigung gedacht. Das Recht zum Halten eines Lachswehres ward bei der 1758 erfolgten Parzellierung dem Stammbesitz zugelegt. Auch die Geistlichkeit, denen der Lachs eine willkommene Abwechselung für die Tafel und eine leckere Fastenspeise war, erwarb sich das Recht zum Halten eines Lachswehres in der Langballigau. Das Wehr hatte seinen Stand an der Wiese Ulkeneng des Parzellisten P. Hansen in Westerholz, über die ein 8 Fuß breiter Weg zu demselben hinführte.

Es ist wahrscheinlich in früher katholischer Zeit von Lundsgaarde erworben oder geschenkt worden. Das Privilegium ging später an das Hauptpastorat in Grundhof über. In dem 1758 errichteten Inventar über die Einkünfte des Hauptpastors ist dasselbe als eine alte Gerechtsame mit aufgeführt. Ebenfalls ist einigen Besitzern königlicher Hufen das Recht, in ihren Wiesen mit dem gegenüberliegenden Landbesitzer zusammen ein Lachswehr zu halten, in ihren Kaufbriefen zugesichert. Aus diesen Angaben ist ersichtlich, daß man auch früher einen Wert auf den Besitz einer Fischereiberechtigung legte.
Die Berechtigten übten ihr Recht wohl hauptsächlich für den eigenen Hausbedarf aus. Einen hohen Verkaufswert hatte der Lachs vormals nicht. Viele überließen ihr Wehr einem Berufsfischer, der dann als Pacht einige Fische für die Küche des Berechtigten liefern mußte.

Bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts kostete ein Pfund Lachs nur 3 Sechslinge, das ist nach unserem Gelde kaum 11 Pf. Als aber später mit den steigenden Fleischpreisen auch die Lachspreise stiegen, ward der Abfang der Fische immer eifriger betrieben.

Nach und nach entstanden in der Au 10 Lachswehre, die allerdings nach einer alten Fischerei- Ordnung nur nachts geschlossen werden durften.

Da aber der Lachs hauptsächlich während der Dunkelheit zieht, bildeten diese schon ein starkes Hindernis für die Fische, um zu den hauptsächlich in den Unewatter Wiesen liegenden Laichplätzen zu kommen.

Auch auf den Laichplätzen ließ man den Fischen keine Ruhe; mit Ketschern wurde nach ihnen gefischt und mit der jetzt, weil Tierquälerei, verbotenen Fischgabel, sog. Lüster, nach ihnen gestochen.

Diejenigen Fische, die sich durch all diese Hindernisse hindurchgearbeitet hatten, fing der Färber in Unewatt durch eine vorgestellte Leiter an der Schleuse ab. Durch diese wilde Fischerei, die den Fischen keine Zeit und Ruhe zum Laichen ließ, die nur danach trachtete, dieselben abzufangen und sich nicht danach kehrte, wenn auch Hunderttausende von Lachseiern dadurch vernichtet wurden, durch diese Raubwirtschaft mußte natürlich der Lachsbestand zurückgehen, ja, es stand sogar zu befürchten, daß er ganz vernichtet werden würde.

Die geschäftsmäßigen Fischer fingen allmählich an, sich immer mehr als unumschränkte Herren der Au zu betrachten.

Wo man in einer fremden Wiese in vielen Jahren vom Besitzer die Erlaubnis zum Halten eines Wehres gehabt hatte, betrachtete man es allmählich als ein Recht, so daß zuletzt die Wiesenbesitzer kaum wagten, in der Dunkelheit, zu welcher Zeit der Fang am günstigsten war, in ihren eigenen Wiesen Fische zu fangen.

Auf den Hufner P. Biörnsen, Unewatt, der in der eigenen Wiese sich eine Mahlzeit Lachse fischen wollte, ward eines Abends mit Steinen geworfen. Durch die vielen Lachswehre, die überall ein Passieren der Au möglich machten, wurden in den Wiesen viele Steige, sog. Zwecksteige, gebildet, die die Wiesenbesitzer schädigten.

Durch das viele Stechen mit den Fischgabeln in den Kanten der Au wurden diese unterhöhlt und ruiniert, so daß die Landbesitzer mit den Verhältnissen, die sich bei der Lachsfischerei herausgebildet hatten, recht unzufrieden waren.


2. Die Gründung


Da erschien das Fischereigesetz vom 30. Mai 1874. Dasselbe verbot jede wilde Fischerei in nicht geschlossenen Gewässern und suchte möglichst die Bildung von Genossenschaften zu fördern, um durch geregelte Bewirtschaftung der Gewässer und künstliche Erbrütung von Fischen den Fischbestand wieder zu heben. — Am 11. Mai 1877 Wurde in Langballigau nach dem Muster des von der Kgl. Regierung entworfenen Normalstatuts für Fischereigenossenschaften ein für die zu gründende Fischergenossenschaft der Langballigau maßgebendes Statut entworfen und angenommen.

— Auf Aufforderung vom Kgl. Landratsamt wurden bald darauf vom derzeitigen Gemeindevorsteher Bunzen, Langballig, alle Interessenten der Au zu einer Versammlung auf den 29. Juni 1877, wiederum nach Langballigau, eingeladen. Auf dieser Versammlung erfolgte die endgültige Konstituierung der Genossenschaft. Zum Vorsitzenden derselben wurde der Gemeindevorsteher Bunzen, Langballig, zum Schriftführer der Gutspächter Lübbe, Freienwillen, und als weiteres Vorstandsmitglied der Kätner E. Tönnesen, Langballigholz, gewählt.

Ferner faßte man dort einstimmig den Beschluß, die Fischerei, falls sich eine einigermaßen annehmbare Pachtsumme erzielen lasse, einem Pächter zu überlassen. Als jedoch bald darauf von Seiten der Genossenschaft die Festsetzung eines Fisch-Schonreviers vor der Mündung der Au und die Verlegung der Unterau von der Winterschonzeit in die Frühjahrsschonzeit erbeten wurde, mußten vom Vorstande Zugeständnisse gemacht werden. Diese waren: Genossenschaftliche Bewirtschaftung der Au durch einen anzustellenden Fischer und künstliche Erbrütung des Lachslaichs. Als Fischer ward der Kätner Erich Tönnesen, Langballigholz, gewählt, der seit der Zeit ununterbrochen diesen Posten innegehabt und gewissenhaft und treu verwaltet hat.«


Das Lachswehr:

Als man die Genossenschaft bildete, galt es zunächst auch, die Au von den zahlreichen Lachswehren zu säubern. Lachswehre, die ein Privilegium nicht hatten, wurden einfach auf Anordnung der Polizei entfernt. Besitzer, die ein Privilegium zum Halten eines Wehres besaßen und Mitglied der Genossenschaft wurden, gaben ihr Recht freiwillig auf. Das Privilegium des Hauptpastors in Grundhof ward von Seiten der Genossenschaft gegen eine Entschädigung von jährlich 1 Lachs, dessen Gewicht später auf 6 Pfund festgesetzt wurde, durch Vertrag mit dem derzeitigen Hauptpastor Andersen, welcher Vertrag vom 5. Februar 1878 die Genehmigung des Kirchenvisitatoriums gefunden hat, angekauft. Auf Grund dieses Privilegiums ist die Genossenschaft berechtigt, das noch jetzt ( 1972 ? ) bestehende Lachswehr in der Au zu halten. Somit war alles zum Fange vorbereitet.


Der Fang:

Am 12. Oktober 1877 ging der erste Genossenschaftslachs ins Garn. Wie nicht anders zu erwarten, fiel der Ertrag des ersten Fangjahres nicht günstig aus. Es wurden trotz des günstigen Wetters nur 213 Stück im Gewicht von zus. 485 Pfd. gefangen. Das 2. Jahr war noch ungünstiger. Mitten in der Fangperiode erkrankte Fischer Tönnesen schwer, auch erschwerten in diesem Winter langanhaltende Frostperioden den Fang. Es wurden nur 87 Stück mit 224 Pfd. gefangen. Erst nachdem die Au 5 Jahre genossenschaftlich bewirtschaftet worden war, begann der Fangertrag sich zu heben. Im Jahre 1885 erreichte derselbe mit 1082 Stück im Gewicht von zus. 2606 Pfd. seinen Höhepunkt.

Von da ab ist der Fang etwas zurückgegangen. Nach Ansicht der Genossenschaft ist dieser Rückgang auf den übermäßigen Abfang der Fische im Meer zurückzuführen. Während der 25 Jahre sind im ganzen 12 323 Stück im Gewicht von zus. 26 211,5 Pfd. gefangen worden. Das jährliche Durchschnittsgewicht unserer Fische beträgt in der Regel 2-3 Pfund. Fische von 5-10 Pfd. sind nicht selten.

Unser größter Fisch war am 2. Weihnachtstage 1883 gefangen, er wog 17 Pfund.


Fischpreise:

Der Lachspreis ist im Laufe der Jahre sehr gestiegen. Im ersten Jahr ward das Pfund durchschnittlich mit 45 Pf. verwertet. Der Durchschnittspreis steigt in den folgenden Jahren auf 50, 60, 72, 84 Pf. usw., bis er im Jahre 1897 die Höhe von 1,28 Mark pro Pfund erreicht. — Bis zum Jahre 1896 verkauften wir unsere Fische an Flensburger Händler, von 1897 ab lassen wir dieselben durch den Fischauktionator Köser auf den St. Pauli-Markthallen in Hamburg verkaufen und haben dort bedeutend bessere Preise erzielt.
Die Vermögensverhältnisse waren, wie bei jeder Neugründung, auch anfangs bei unserer Genossenschaft ungünstig. Die Einnahme war gering, und der Kosten, die die Neueinrichtung verursachte, waren nicht wenige. Am Schluß des Jahres 1879 waren die Überschüsse der vorhergehenden Jahre verbraucht und noch 467 Mark Schulden vorhanden. Erst 1882 gelang es der Genossenschaft, sich schuldenfrei zu machen.

Im folgenden Jahr konnten wir zum ersten Male eine Verteilung von 7 Pf. pro Meter Uferlänge an die Interessenten vornehmen. Später sind 16 mal 10 Pf. pro Meter verteilt worden. Es ist also bis jetzt die Summe von 15 753,33 Mark zur Verteilung gelangt.
Die Interessenten: Die Zahl der Interessenten der Genossenschaft ist in den 25 Jahren ungefähr die gleiche geblieben. Als die Genossenschaft gebildet wurde, gehörten ihr 54 Personen und 1 juristische Person als Mitglieder an; jetzt besteht die Gen. ebenfalls aus 54 Personen und 2 juristischen Personen. Die beiden letzteren sind die Gemeinde und die Meiereigen. Unewatt. Von den 54 Interessenten, die am 11. Mai 1877 das Statut unterschrieben haben, sind noch 30 am Leben, 15 sind noch Mitglieder der Genossenschaft. 24 sind im Laufe der Jahre gestorben.


Der Fischer:

Wie schon früher erwähnt, ist E. Tönnesen seit dem Beginn der genossenschaftlichen Bewirtschaftung der Au unser Fischer gewesen. Mit unermüdlichem Eifer und großer Geschicklichkeit hat er in den 25 Jahren seines Amtes gewaltet. Seiner außerordentlich sorgfältigen Aufsicht, seiner sachkundigen Pflege der Fischbrut sind wohl zum größten Teil die günstigen Resultate unserer Brutanstalt zu verdanken. —
50jähriges Jubiläum am 8. Dezember 1927 in Unewatt


Der Vorsitzende verliest noch einmal seinen 1902 gefaßten Bericht, gibt Ergänzungen dazu und stellt fest, daß in den vergangenen 50 Jahren:


a) rd. 10,5 Millionen Lachse künstlich erbrütet wurden.
(Der gute Lachsbestand in der Flensburger Förde sei damit nicht zuletzt ein Verdienst der Genossenschaft)

b) 18 653 Forellen im Gewicht von 40 731 Pfund gefangen wurden, die i. g. 63 812 Mark erbrachten, die Jahre 1921-1923 wegen der Inflation nicht mitgerechnet.


c) die Lachspreise im allgemeinen ziemlich konstant geblieben waren, die Zeit von 1914-1923 unberücksichtigt lassend :
1904: 1,40 M/Pfd.    1924: 1,50 RM/Pfd.
1911: 1,80 M/Pfd.    1926: 1,38 RM/Pfd.


Außerdem stellt er in seinem Bericht fest, daß von den 54 Gründern der Genossenschaft nur noch 2 leben: der 83jährige Peter Eckeberg, Langballig, und der 78jährige Makler Thomas Jessen, Flensburg, früher Terkelstoft.


Ehrende Worte findet er für den 1919 verstorbenen ehemaligen Fischer der Genossenschaft Erich Tönnesen, indem er schreibt:


»Tönnesen erreichte, körperlich und geistig rüstig, das hohe Alter von 85 Jahren. Er war unser Fischmeister in 42 Jahren bis zu seinem Tode am 13. 9. 1919. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, daß er diesem Amt bis in sein hohes Greisenalter nicht hätte vorstehen können, wenn er nicht von seinen Söhnen Asmus und Christian treu unterstützt worden wäre. Nach dem Tode des alten Fischers erwählten wir seinen ältesten Sohn und Besitznachfolger, Asmus, für dies Amt. Er bekleidet dasselbe noch jetzt und ist bestrebt, es in ähnlicher Weise zu führen, wie es sein Vater in langen Jahren getan hat.«


 


Quellen: Walter Schmidt, Steinbergkirche "Langballigau Langballigholz...wie es war", Kirchspielarchiv Grundhof, Amtsarchiv Langballig