Die Lachsforellenbrutanstalt


von Erna Tönnesen,1922

 (Anmerkung: Das Bruthaus befand sich in Langbballigholz, unweit des Wohnhauses der Familie Tönnesen , Uhlehau. Es lag unterhalb Uhlehau am Talrand des heutigen Naturschutzgebiets "Tal der Langballigau", die Besonderheit die für diesen Standort sprach - ist (neben der Nähe zur Kathe) eine "winterwarme" Quelle deren Wassertemperatur immer bei 9 C° liegt. Quelle: Peter Balcke,Grundhof, Frau Hoeck, Langballigholz, Peter Dietrich Henningsen, Langballig)

Im Jahre 1877 wurde von Anliegern der Langballiger Au eine Fischerei- Genossenschaft gegründet. Nach dem neuen Fischereigesetz durfte die wilde Fischerei nicht mehr stattfinden. Es wurde eine geregelte Fischerei eingeführt, damit die Lachsforelle (Salmonide) erhalten blieb.

Zum Fischer wurde mein Großvater, Erich Peter Tönnesen, gewählt. Im Jahre 1878 kam es zum ersten Versuch mit der künstlichen Ausbrütung in einer kleinen Anstalt in der Aue beim Lachswehr. Diese war aber der Kälte zu sehr ausgesetzt. Im Jahre 1879 wurde in unserem Obstgarten die erste Brutanstalt gebaut, vor dem Auslauf zweier Quellen, welche reines, klares Wasser enthielten. Eisen- und salpeterhaltiges Wasser kann bei der Ausbrütung der Fischeier nicht verwendet werden.

— Das Gebäude war nur leicht gebaut und zur Ausbrütung von ca. 120000 Eiern eingerichtet. Im Jahre 1896 war es schon baufällig. Es wurde abgebrochen und ein neues von Baumeister Jürgensen, Grundhof, aufgeführt, so, wie es jetzt dasteht  (1972 !).

Es hat eine Einrichtung für etwa 400000 Forelleneier.


Die innere Einrichtung:

Das Wasser läuft aus dem Berg in einen gemauerten Behälter, von dort in einen kleinen Verteilerkasten mit 3 Hähnen zum Auslassen. Die Brutgefäße sind aus Zinkblech. In jedem Gefäß liegt ein Sieb, auf dem sich die Eier befinden. Die Brutgefäße stehen terrassenförmig übereinander, so daß das Wasser immer von einem Brutgefäß in das andere laufen kann.

( Anmerkung: Die Quelle hatte eine konstante Temperatur von 9 °C ! und befand sich unterhalb von Langballigholz, Höhe Uhlehau ! )


Das Brutverfahren und die Brutperiode:

Jährlich im September steigen die Lachse die Au hinauf, um zu laichen. Da werden sie in einer Reuse gefangen und in einem Fischbehälter aufbewahrt. Die ersten gefangenen Fische werden ohne Abstreifen an den Hamburger Fischmarkt versandt und verkauft, weil sie im Behälter bis zu ihrer Laichreife nicht leben könnten. Im November und Dezember ist die Forelle laichreif.

Dann werden die Eier ausgestreift, befruchtet und im Bruthaus auf die Siebe verteilt, jährlich ca. 250 bis 300 000 Stück.
' Man rechnet auf ein Pfund Eier 5000 Stück. In dem fließenden Wasser von 1-3 Grad Wärme liegen die Eier 90-100 Tage.

Täglich müssen die verdorbenen Eier, welche dann weiß werden, herausgesucht werden. Dann schlüpft der junge Fisch aus der Hülle. Er ist jetzt ungefähr 1 cm lang.

Unter dem Bauche hat er eine kleine Blase, davon lebt er in der ersten Zeit. Nach 5-6 Wochen ist die Blase aufgezehrt. Dann hat der Fisch seine natürliche Entwicklung erreicht.

Nun werden die jungen Fische in der oberen Au ausgesetzt.


Wenn die Fische in der Natur laichen, wird mit 90 %, bei der künstlichen Ausbrütung dagegen nur mit 40-50 % Verlust gerechnet.

(Anmerkung : Die Brutanstalt wurde im Herbst 1947 zum letzten Male mit Fischeiern belegt. Wegen Wassermangels ging die Anstalt ein.)


Quellen: Walter Schmidt, Steinbergkirche "Langballigau Langballigholz...wie es war", Kirchspielarchiv Grundhof, Amtsarchiv Langballig