Interessante Kleinigkeiten


aus dem Protokollbuch der Langballigauer Fischereigenossenschaft

1. Der Fischer Erich Tönnesen


25. 7. 1878: T. stellt das Grundstück für das Bruthaus zur Verfügung, solange er das Amt hat. Nachher erhält er eine Vergütung von 3 Mark jährlich.


7. I. 1884: Der Fischer erhält in Zukunft 25 % des Bruttoertrages.


8. 10. 1892: T. hat im vergangenen Jahr 757 Pfund Lachs zu dem Bahnhof transportiert, meist per Fuhrwerk. Für die 12 »Touren« berechnete er 72 Mark, was den Revisoren als zu teuer erschien.


30. 10. 1907: T. wird durch den Landrat Pfeffer für 30jährige Dienstzeit bei der Genossenschaft durch das vom Kaiser verliehene »Allgemeine Ehrenzeichen« geehrt. Der Vorsitzende, Lassen-Unewatthof, »widmet dem Jubilar seitens der Genossenschaft als Geschenk und Andenken ein Sofa.«


13. 9. 1919: Erich Tönnesen stirbt im Alter von 85 Jahren.


2. »Natürliche« und weniger natürliche Fischereikonkurrenz


Reiher:

1885 wird beschlossen, für jeden erlegten Fischreiher eine Prämie von einer Mark zu zahlen. Gemeldet werden z. B. 1886 — 6 R., 1888 —11 R., 1892 - 5 R., 1895 - 6 R., 1900 - 11 R., 1909 - 15 R., 1915 - 5 R., 1918 - 6 R., 1928 - 5 Reiher.


Fischotter:

Am 11. 1. 1886 wird der Vorschlag, für die Tötung von Fischottern eine Prämie von 2 Mark auszusetzen, abgelehnt. - Während des Winters 1886 werden insgesamt 5 Otter erlegt, 1887 - 1 Otter , 1891 - 2 Otter , 1892 - 2 Otter , 1902 - 1 Otter .

Nachdem wird über das Auftreten von Fischottern nicht mehr berichtet.


»Fischfrevler«:

Das Protokoll vom 25. 7. 1878 berichtet: Der Färber Blichenberg-Unewatt hat im Schonrevier am Mühlenteich ein Gitterwerk aufgestellt und viele Lachse gefangen. Im Wiederholungsfalle wird ihm mit Anzeige gedroht. - Einige Monate später beschließt die Genossenschaft, jedem eine Prämie von 40 Mark (!) zu zahlen, der dem Vorstand einen Fischfrevler anzeigt.


28. 1. 1881: Es wird darüber geklagt, daß die Langballigauer Berufsfischer außerhalb des Schonreviers ihre Netze aufstellen, so daß viele Lachse nicht in die Au finden. Der herbeigerufene »Gendsdarm« läßt 9 Netze einziehen.


7. 1. 1884: Gemeldet wird ein ziemlich bedeutender Fischfrevel. Die Genossenschaft beschließt, »zu unbestimmten Zeiten 1 oder 2 Mann anzustellen«, um den Fischdieb zu stellen.


11. 6. 1902: Im vergangenen Winter soll ein Fischer wiederholt die Au vor der Mündung ganz mit Netzen abgesperrt haben. »Leider ist es uns nicht gelungen, den Mann derartig zu fassen, daß wir ihn gerichtlich belangen konnten.«


17. 1. 1903: Für die Meldung von Fischfrevlern wird die Prämie von 40 auf 100 Mark erhöht.


Juni 1918: Das Fangergebnis des letzten Jahres ist mit 332 Pfund besonders niedrig. Schuld daran könnten sein:

a) Diebereien

b) Hochwasser, bei dem die Fische das Wehr überschwimmen.


26. 11. 1922: Der Fischer Tönnesen meldet, daß »mehrere Fische aus der Reuse durch unbefugte Hand entwendet wurden. Die Spuren führen nach Westerholz


17. 12. 1929: Der Hufner P. in Langballig wurde angezeigt, am 21. 11. 1929 einen Lachs von 5 Pfund mit dem Jagdgewehr erlegt und entwendet zu haben. Er wird durch Schreiben des Gen.-Vors. aufgefordert, den Schaden in Höhe von 30 RM bis zum 31. 12. zu begleichen, - was dann auch geschieht.


3. Das Fischschonrevier vor der Aumündung


26. 8. 1877: Das Fischereirevier wird markiert durch 2 Linien:


a) »Vom großen Stein unter Jarwarts Abhang nach Kragesand und
b) von einem Pfahl auf dem Damm auf Commerle nach Drei
 

Im Jahre 1881 versucht die Genossenschaft, bei der Regierung eine Erweiterung des Schonreviers zu erreichen.

Der Bürgermeister von Langballigholz, C. Philippsen, beantragt dagegen beim Landrat, das Schonrevier nicht zu erweitern. (Er vertritt damit die Interessen der Berufsfischer).


Auch 1887 verfällt der Antrag der Genossenschaft, trotz persönlicher Vorsprache in Berlin, der Ablehnung.

Ein weiterer Versuch im Jahre 1892 scheitert ebenfalls, desgleichen 1902.

 


Quellen: Walter Schmidt, Steinbergkirche "Langballigau Langballigholz...wie es war", Kirchspielarchiv Grundhof, Amtsarchiv Langballig